Budapest – Thermalbäder, Donau und ein Testament das die Welt veränderte

Straßenbild in Budapest mit enger Häusergasse. Im Bild ein moderne Glasbau in dessen Fassade sich ein altes Gebäude spiegelt.

Budapest hat mich erwischt. Nicht mit lautem Getöse – sondern mit einer Stadt die einfach da ist. Selbstbewusst, ein bisschen abgewetzt, und gleichzeitig von einer Schönheit die man nicht erwartet hatte.

Ich war in Budapest damals auf dem Weg nach Süden. Eine Durchgangsstation – so hatte ich es geplant. Es war Sommer, die Temperaturen lagen gefühlt weit über 30 Grad, und die Stadt dampfte. Und trotzdem: Ich blieb länger als geplant. Das passiert dir in Budapest bestimmt auch.

Buda und Pest – zwei Städte, eine Seele

Budapest besteht eigentlich aus zwei Städten. Buda liegt westlich der Donau – hügelig, ruhig, mit der Burg und der Fischerbastei hoch oben. Pest liegt östlich – flach, laut, lebendig, mit dem Parlamentsgebäude direkt am Fluss. Die Donau trennt sie – und die Brücken verbinden sie wieder.

Die schönste dieser Brücken ist die Kettenbrücke – Széchenyi lánchíd. Gebaut zwischen 1839 und 1849, war sie die erste feste Brücke zwischen Buda und Pest und ein Symbol für die Modernisierung Ungarns. Wenn man abends über sie geht und das Parlamentsgebäude im Licht der Scheinwerfer sieht – das ist einer jener Momente die man nicht plant und nicht vergisst.

Das Parlamentsgebäude – Größenwahn als Kunstwerk

Das ungarische Parlamentsgebäude am Donauufer ist eines der beeindruckendsten Gebäude Europas – und das ist keine Übertreibung. Gebaut zwischen 1885 und 1904 im neugotischen Stil, mit 691 Räumen, 29 Treppen und einer Kuppel die 96 Meter in den Himmel ragt – die 96 steht für das Jahr 896, als die Magyaren das Karpatenbecken besiedelten.

Von der Pester Seite aus ist der Blick auf das Parlament vom Wasser aus am schönsten. Wer eine Bootsfahrt auf der Donau macht – am besten abends – sieht das Gebäude in seiner ganzen Pracht. Von innen kann man es täglich besichtigen – die Führungen sind erschwinglich und lohnen sich.

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TIPP

Budapest war bei meinem damaligen Besuch 2007 nur eine Durchgangsstation in Richtung Nordmazedonien. Und dennoch ist mir diese Stadt als sehr lebendig und vor allem heiß in Erinnerung geblieben. Es war Sommer und die Temperaturen lagen gefühlt über 30°C. Aber es sollte noch heißer werden. Meine Reise führte mich in den Süden Ungarns in die Puszta. Die Tiefebene wird von Theiß und Donau durchzogen, ist landschaftlich beeindruckend und unfassbar heiß. Da liegt es nahezu auf der Hand auch die Stadt der Sonne dort zu finden – Szeged. Von Budapest ist diese Stadt ca. 1 1/2 Autostunden entfernt.

Zurück nach Budapest wo mir noch Martin Luther einfällt, dessen Testament irgendwie den Weg dorthin gefunden hat.

Martin Luthers Testament – ein Schatz am Deák-Platz

Wer durch Budapest schlendert und am Deák-Platz vorbeikommt, sollte einen Moment innehalten. In der klassizistischen Evangelischen Kirche am Deák Ferenc tér – ein Gebäude das von außen kaum nach Kirche aussieht, ohne Turm, mit einem Glockenspiel hinter der Fassade – befindet sich eines der bedeutendsten Dokumente der Reformationsgeschichte.

Im angeschlossenen Evangelischen Landesmuseum wird als Höhepunkt der Sammlung das 1542 von Martin Luther eigenhändig geschriebene Testament aufbewahrt. Luther verfasste es in Wittenberg – jenem Ort an der Elbe wo er 25 Jahre zuvor seine 95 Thesen angeschlagen und damit die Reformation ausgelöst hatte. Ein persönliches Dokument das Luther kurz vor seinem Tod verfasste und das auf Umwegen nach Budapest gelangte – von Wittenberg über verschiedene Hände und Generationen bis in das Herz Ungarns.

2017, zum Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“, wurde das Schriftstück an Deutschland verborgt – und kehrte danach wieder an seinen Platz zurück.

Wer das weiß schaut anders auf dieses unscheinbare Gebäude am belebten Platz.

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Budapest?

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Die Thermalbäder – Budapests besonderes Erbe

Budapest liegt auf einem der größten natürlichen Thermalwasservorkommen Europas – über 120 heiße Quellen sprudeln unter der Stadt. Die Römer wussten das bereits und bauten ihre Bäder genau hier. Die Osmanen übernahmen die Tradition. Und heute ist das Thermalbad für Budapest das was der Espresso für Wien ist – tägliches Ritual, keine Touristenattraktion.

Das bekannteste Bad ist das Széchenyi-Bad im Stadtpark – ein neobarockes Gebäude mit 15 Innen- und Außenpools, gebaut 1913. Besonders im Winter ist der Anblick der dampfenden Außenpools im Schnee unvergesslich. Wer lieber etwas ruhigeres möchte – das Gellért-Bad am Fuß des Gellért-Hügels ist architektonisch noch beeindruckender, mit Jugendstilhalle und Wellenbad.

Tipp: Einfach hingehen. Kein Termin, kein Plan. Ein paar Stunden einplanen, einen Kaffee bestellen und das Wasser genießen.

Die Fischerbastei – der Blick über die Stadt

Hoch oben auf dem Burgberg in Buda thront die Fischerbastei – eine neoromanische Terrassenanlage die zwischen 1895 und 1902 gebaut wurde. Sieben Türme, einer für jeden der sieben Stämme der Magyaren, die 895 in das Karpatenbecken einzogen.

Der Blick von hier auf das Parlamentsgebäude auf der Pester Seite, auf die Donau und die Brücken – das ist das Postkartenbild von Budapest. Aber es ist kein Klischee, es ist tatsächlich schön.

Die Ruinen-Bars – Budapests Geheimnis

Was Budapest von anderen Städten unterscheidet ist eine Erfindung die nirgendwo sonst so funktioniert: die Ruinen-Bars. In verfallenen Häusern, leerstehenden Fabriken und heruntergekommenen Innenhöfen entstanden seit den frühen 2000er Jahren Bars und Clubs die den Verfall zum Gestaltungsprinzip machen. Alte Sofas, Kronleuchter, DDR-Möbel, Straßenschilder – alles durcheinander, alles absichtlich.

Das bekannteste Beispiel ist das Szimpla Kert im jüdischen Viertel – täglich geöffnet, tagsüber Café und Markt, abends Bar und Konzertort. Wer Budapest verstehen möchte geht einmal durch den Szimpla Kert und schaut einfach zu.

Das jüdische Viertel – Geschichte die bleibt

Budapest hat das größte jüdische Erbe Mitteleuropas. Im VII. Bezirk – dem historischen jüdischen Viertel – steht die Große Synagoge in der Dohány-Straße, die zweitgrößte Synagoge der Welt. Im Hof befindet sich ein Gedenkfriedhof und eine Metallweide – ein Denkmal für die Opfer des Holocaust in Ungarn.

Das ist kein leichter Ort. Aber ein notwendiger.

Praktische Infos

Anreise: Mit dem Auto von Berlin etwa 10–11 Stunden. Mit dem Zug über Wien in etwa 8–9 Stunden.

Währung: Ungarischer Forint (HUF). Kreditkarten werden meist akzeptiert, Bargeld für Märkte und kleinere Lokale bereithalten.

ÖPNV: U-Bahn, Tram und Bus – gut ausgebaut und günstig. Das Tagenticket lohnt sich.

Sprache: Ungarisch – eine der schwierigsten Sprachen der Welt. Englisch wird in touristischen Bereichen gut gesprochen.

Beste Reisezeit: Mai–Juni und September–Oktober – angenehm warm, weniger Touristen als im Hochsommer.