Brüssel hat einen Ruf, der der Stadt nicht gerecht wird. Hauptstadt der EU, grau, bürokratisch, irgendwie gesichtslos – so erzählen es die Leute, die nie wirklich dort waren. Man kennt das. Dabei lohnt sich die Reise dorthin unbedingt: Einmal hingefahren, und man versteht sofort, warum viele immer wieder zurückkehren.



Grote Markt – der Platz, der einen sprachlos macht
Es gibt Momente auf Reisen, in denen man einfach stehenbleibt und denkt: Das habe ich nicht erwartet. So ein Moment wartet auf dem Grote Markt – dem Grand Place, wie ihn die Franzosen nennen. Man biegt um eine ziemlich unscheinbare Ecke, und plötzlich steht man mitten in einem der prächtigsten Plätze Europas. Vergoldete Zunfthäuser, das mächtige Rathaus, das Maison du Roi – und alles in jenem warmen, goldenen Licht, das nachmittags auf den Stein fällt. Victor Hugo hat hier gelebt. Er soll den Platz den schönsten der Welt genannt haben. Victor Hugo lag nicht falsch.

Was besonders beeindruckt, ist die Tatsache, dass dieser Platz so kompromisslos schön ist, obwohl er mitten im Herzen einer Großstadt liegt. Touristen, Einheimische, Tauben, Marktstände – alles passiert hier gleichzeitig, und trotzdem wirkt er nie überwältigt. Er trägt das alles mit einer seltsamen Würde. Man setzt sich irgendwo hin, bestellt einen belgischen Kaffee – oder natürlich ein Bier, man ist schließlich in Belgien – und schaut einfach zu. Das ist kein Ratschlag, das ist eine Pflicht.
Insidertipp: Früh morgens, kurz nach acht, gehört der Platz einem fast allein. Bevor die Reisegruppen ankommen, fangen die Standbetreiber gerade erst an, ihre Waren aufzubauen, der Stein dampft noch leicht vor Morgenfeuchtigkeit, und man bekommt ein Foto ohne eine einzige Menschenmasse im Hintergrund. Das klingt nach einer Kleinigkeit – aber es ist der Moment, an den man sich noch Jahre später erinnern wird.
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Ein wichtiger praktischer Hinweis: Die Umweltzone und die Anmeldepflicht
Wer mit dem Auto nach Brüssel reist, sollte sich unbedingt vorab mit einem Thema befassen, das auf den ersten Blick bürokratisch klingt, in der Praxis aber problemlos zu handhaben ist. Brüssel verfügt über eine sogenannte Low Emission Zone, eine Umweltzone, die das gesamte Stadtgebiet umfasst. Wer mit dem Auto in die Brüsseler Innenstadt fahren möchte, muss sich vorher elektronisch anmelden – nicht beim Einfahren, nicht an einer Schranke, sondern im Voraus, online unter: https://lez.brussels/mytax/de/registration/start
Wer diese Anmeldung vergisst oder ignoriert, muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen – die Kameras sind flächendeckend, diskret und gnadenlos effizient. Alternativ empfiehlt sich das Parken am Stadtrand und die Weiterfahrt mit der Metro – die ist gut ausgebaut, preiswert und erschließt alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. In jedem Fall gilt: wer sich vorab informiert, hat mit diesem Thema keinerlei Aufwand mehr und kann entspannt anreisen.
Atomium – Brüssel von seiner futuristischsten Seite
Vom Grote Markt aus nimmt man am besten die Metro oder ein Taxi in Richtung Laeken, denn das Atomium liegt etwas außerhalb des historischen Zentrums. Und das ist gut so – denn so taucht es vor einem auf wie ein Raumschiff, das mitten in der Stadt gelandet ist und sich offenbar sehr wohl fühlt. Dieses riesige, silbern glänzende Modell eines Eisenkristalls, 102 Meter hoch, gebaut für die Weltausstellung 1958, gehört zu den seltsamsten und gleichzeitig charmantesten Bauwerken Europas.

Im Inneren gelangt man mit Rolltreppen und Aufzügen von Kugel zu Kugel. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig; oft gibt es Themen rund um Design, Retro-Futurismus und die Geschichte der Expo 58. Was jedes Mal aufs Neue beeindruckt, ist der Blick aus der obersten Kugel über Brüssel. Die Stadt breitet sich aus wie ein liebevoll gebautes Modell – Villen, Parks, Kirchtürme und die Skyline des EU-Viertels in der Ferne.
Insidertipp: Das Restaurant in der obersten Kugel ist zum Mittagessen tatsächlich erschwinglich und bietet die beste Aussicht der ganzen Stadt. Eine Reservierung ist jedoch unbedingt erforderlich – spontan bekommt man dort keinen Tisch mehr.
Brüssel?
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Kathedrale St. Michael und St. Gudula – Stille im Herz der Stadt
Auf dem Rückweg ins Zentrum lohnt ein Halt auf dem Coudenberg-Hügel, wo die Kathedrale St. Michael und St. Gudula thront – ruhig, mächtig und erstaunlich wenig beachtet von Reisenden, die an ihr vorbeieilen, um schneller zu anderen Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Diese Kathedrale ist eines der schönsten gotischen Bauwerke Belgiens, und sie besitzt eine Wärme, die man großen Kathedralen nicht immer zutraut.

Das Innere ist hoch, kühl und von einem Licht durchflutet, das durch die farbigen Glasfenster fällt. Die Fenster aus dem 16. und 17. Jahrhundert zeigen die habsburgischen Herrscher in Gebetspose – eine seltsam menschliche Geste in einem so gewaltigen Raum. Wer sich nach einem vollgepackten Brüsseler Nachmittag einfach hinsetzt und zehn Minuten lang nichts tut, wird feststellen, dass es genau das Richtige ist.
Im Untergeschoss sind archäologische Ausgrabungen zu besichtigen – Überreste einer vorromanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Man geht buchstäblich in die Tiefe der Stadt und versteht plötzlich, wie viele Schichten Geschichte unter dem Pflaster liegen. Insidertipp: Dienstags und donnerstags finden mittags manchmal kleine Orgelkonzerte statt – kostenlos und akustisch ein außergewöhnliches Erlebnis in diesem Raum.
Kunstberg: The View – Bruxelles – Brüssel von oben, aber anders

Vom Dom ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Kunstberg, dem Mont des Arts, einem der schönsten und zugleich unterschätztesten Aussichtspunkte der Stadt. The View – Bruxelles ist das Besucherzentrum am Coudenberg mit einer Terrasse, von der aus man über die Dächer der Altstadt schaut. Kein Turm, keine Fahrkarte, keine Schlange – einfach oben ankommen und staunen.
Die terrassenförmigen Gärten des Kunstbergs sind an sich bereits wunderschön gestaltet: Brunnen, Treppen, geometrische Beete, und das alles mit dem Rathaus im Hintergrund. Hier sitzen Brüsseler in der Mittagspause, lesen, dösen, essen ihre Baguettes. Es ist einer jener Orte, die einem das Gefühl geben, kurzzeitig in die Stadt hineinzugehören, statt nur durch sie hindurchzuziehen.
Das Besucherzentrum selbst lohnt sich für eine gute Stunde – es erzählt die Geschichte der Stadt auf modern aufbereitete Weise, mit viel Interaktion und ohne Langeweile. Insidertipp: Der Buchladen im Erdgeschoss führt wunderbare Bildbände und illustrierte Brüssel-Bücher, die man anderswo kaum findet – darunter gelegentlich Raritäten zur Brüsseler Jugendstilarchitektur.
Königlicher Palast – Glanz mit belgischer Zurückhaltung
Vom Kunstberg aus führt der Weg direkt weiter zum Königlichen Palast, der das Ende des Parkgeländes am Place des Palais begrenzt. Der Palast ist die offizielle Residenz des belgischen Königs – tatsächlich wohnt die Königsfamilie im Schloss Laeken – aber als Repräsentationspalast ist er durchaus beeindruckend. Die schneeweiße Fassade, die symmetrische Anlage, die belgische Flagge oben – das alles hat Stil ohne Protz.
Im Sommer, von Ende Juli bis Anfang September, öffnet der Palast seine Türen für Besucher, und eine Führung durch die Prunkräume lohnt sich unbedingt. Die bekannteste Attraktion ist der Thronsaal, dessen Decke mit den Flügeln getrockneter Prachtkäfer ausgestattet ist – über eine Million Stück, schimmernd grün und gold. Das klingt ungewöhnlich, sieht aber aus wie ein Gemälde aus einem anderen Jahrhundert.
Selbst wenn der Palast geschlossen ist – was außerhalb der Sommersaison der Fall ist –, ist die Umgebung einen Spaziergang wert. Der Parc de Bruxelles gegenüber ist einer der angenehmsten Stadtparks weit und breit: weitläufig, grün, mit alten Bänken unter Platanen. Insidertipp: Im Park gibt es einen kleinen Café-Kiosk, der schlichte Waffeln für unter drei Euro verkauft – keine Instagram-Inszenierung, kein Schnickschnack. Nur Teig, Zucker und Butter. Perfekt.
Brussels COMICS Figurines Museum – Belgien, wie es sich selbst liebt
Nicht weit vom Königlichen Palast entfernt, in den Gassen der Altstadt, versteckt sich das Brussels COMICS Figurines Museum. Man muss ein wenig suchen, und genau das macht den Besuch schon zur Vorbereitung zum Erlebnis. Belgien ist das Land des Comics wie kein anderes in Europa: Tim und Struppi, Lucky Luke, die Schlümpfe – sie alle haben hier ihre Wurzeln.

Das Museum zeigt eine bemerkenswerte Sammlung von Originalfiguren, Zeichnungen und Szenerien aus der Welt der belgischen Comickultur. Es ist kein großes Haus, aber es ist mit so viel Liebe gemacht, dass man als Erwachsener unvermittelt wieder neun Jahre alt ist. Die Ausstellungsmacher haben ein echtes Gespür dafür, was Nostalgie mit Menschen macht.
Das Museum spricht Kinder genauso an wie Erwachsene, die mit diesen Geschichten aufgewachsen sind – und das gelingt seltener, als man denkt. Insidertipp: Im Museumsshop gibt es limitierte Figuren und Drucke, die man anderswo nicht bekommt – keine Massenware-Souvenirs, sondern echte kleine Kunstwerke.
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Les Galeries Royales Saint-Hubert – Einkaufen als Kulturerlebnis
Letzter Stopp des Tages – oder erster, für alle, die sich mit Kaffee und Schokolade in den Tag schmecken – sollten die Galeries Royales Saint-Hubert sein. Diese Einkaufsgalerie aus dem Jahr 1847 ist eine der ältesten überdachten Galerien Europas und eine der schönsten. Hohe Glasgewölbe, elegante Geschäfte, Cafés mit kleinen Tischen auf dem Marmorpflaster – hier flaniert man, man kauft nicht einfach nur ein.

Die Galeries sind keine Touristenfalle, sondern ein lebendiger Ort, an dem Brüsseler tatsächlich einkaufen, Kaffee trinken, Bücher kaufen, Uhren reparieren lassen. Es gibt hier Chocolatiers der Spitzenklasse – Neuhaus hat hier eine seiner elegantesten Filialen –, ein wunderbares kleines Theater, Hutmacher und Buchläden. Der Lärm der Stadt draußen ist gedämpft, das Licht ist warm, und alles hat ein Tempo, das man in Brüssel so sonst nicht findet.
Eine gut gekleidete ältere Dame kauft Pralinen. Ein Vater erklärt seiner kleinen Tochter die Glasdecke. Zwei Geschäftsmänner diskutieren auf Französisch sehr lebhaft über etwas Unverständliches. Das ist Brüssel in einem einzigen Bild. Insidertipp: Die Buchhandlung Tropismes in der Galerie ist eine der schönsten Buchhandlungen Europas – auch wer kein Französisch liest, sollte hineingehen und sich umsehen. Die Architektur allein ist den Besuch wert.
Praktische Hinweise
Anreise mit dem Auto ab München: Von München nach Brüssel sind es etwa 850 Kilometer, je nach Route rund acht bis neun Stunden Fahrt. Die gängigste Strecke führt über die A9 Richtung Nürnberg, dann weiter über Frankfurt und Köln auf die belgische Autobahn. In Belgien gilt auf Autobahnen keine Mautpflicht für Pkw. Eine Zwischenübernachtung oder eine Aufteilung der Strecke macht die Reise deutlich entspannter.
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