Prager Burg – Pražský hrad: Ein Tag in der größten Burg der Welt

Zu sehen ist die Prager Burg vom Aussichtsturm Petřín fotografiert. Dieser liegt ein paar Meter höher als die Festungsanlage.

Die Prager Burg ist nicht einfach eine Burg. Sie ist eine Stadt in der Stadt – eine Festungsanlage die sich über mehr als 70.000 Quadratmeter erstreckt und damit die größte zusammenhängende Burganlage der Welt ist. Wer das erste Mal oben ankommt und durch das Tor tritt, versteht sofort warum Prag die goldene Stadt heißt. Hier oben beginnt alles.

Die Geschichte – tausend Jahre auf einem Hügel

Die Prager Burg wurde im 9. Jahrhundert gegründet – zunächst als hölzerne Befestigungsanlage der Přemysliden, der ersten böhmischen Herrscherdynastie. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie, wurde umgebaut, erweitert, zerstört und wieder aufgebaut. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen – romanisch, gotisch, Renaissance, Barock – alles ist hier vertreten und alles fügt sich zu einem erstaunlich stimmigen Ganzen zusammen.

Karl IV. – König von Böhmen und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches – machte Prag im 14. Jahrhundert zur bedeutendsten Stadt nördlich der Alpen. Er ließ den Veitsdom ausbauen, die Karlsbrücke errichten und die Burg zur kaiserlichen Residenz ausbauen. Diese Zeit prägt das Bild der Burg bis heute.

Nach dem Zweiten Prager Fenstersturz 1618 – der den Dreißigjährigen Krieg auslöste – verlor die Burg an politischer Bedeutung. Die Habsburger regierten fortan aus Wien. Erst mit der Gründung der Tschechoslowakei 1918 kehrte Leben zurück: Tomáš Masaryk, der erste Präsident, ließ die vernachlässigte Anlage vom slowenischen Architekten Jože Plečnik umgestalten. Viele der eleganten Details die man heute sieht – die Gärten, die Flaggenmasten, die Treppenanlagen – stammen von ihm.

Heute ist die Prager Burg der Amtssitz des tschechischen Präsidenten. Die Flagge weht wenn er anwesend ist.

Die Wachablösung – täglich um 12 Uhr

Wachablösung

Täglich um 12 Uhr findet auf dem ersten Burghof die große Wachablösung statt – mit Blaskapelle, Paradeschritt und vollem Protokoll. Das ist kein Touristenspektakel sondern ein echtes staatliches Ritual. Wer pünktlich ist hat einen der eindrucksvollsten Momente der Burg gratis.

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TIPP

TIPP Eines der beeindruckendsten Glasfenster im Veitsdom stammt von Alfons Mucha – dem großen tschechischen Jugendstilkünstler dessen Plakate und Illustrationen die Welt um 1900 prägten. Das Fenster zeigt Szenen aus dem Leben der Heiligen Kyrill und Method und leuchtet in den typischen weichen Farben die Mucha so unverwechselbar machen.

Wer die Verbindung zu Mucha vertiefen möchte: Er ist auf dem Vyšehrad-Friedhof begraben – jenem besonderen Ort südlich der Altstadt den wir auf unserer Tagestour besuchen. Dort liegt er Seite an Seite mit Dvořák, Smetana und anderen Größen der tschechischen Geschichte. Ein stiller, würdiger Ort – und ein
schöner Bogen zwischen dem Veitsdom und dem Vyšehrad.

Der Veitsdom – mehr als eine Kirche

Das Herzstück der Anlage ist der Veitsdom – offiziell die Kathedrale des Heiligen Veits, Wenzel und Adalbert. Gebaut wurde er über mehrere Jahrhunderte – der Grundstein wurde 1344 gelegt, fertiggestellt wurde er erst 1929. Sechs Jahrhunderte Bauzeit. Das sieht man.

Heiligen Adalbert von Prag
Heiligen Adalbert von Prag

Was mich jedes Mal aufs Neue beeindruckt: die Glasfenster. Zwanzig Kapellen, jede mit anderen Fenstern – darunter eines von Alfons Mucha, dem berühmten tschechischen Jugendstilkünstler. Das Licht das durch diese Fenster fällt verändert den Raum vollständig.

Im Veitsdom befinden sich die Grabmäler der böhmischen Könige und Heiligen – darunter der Heilige Wenzel, der Nationalheilige Tschechiens. Die Wenzelskappelle ist mit Halbedelsteinen und gotischen Fresken ausgestattet und gehört zu den wertvollsten Räumen der tschechischen Geschichte.

Tipp: Der Eintritt in den Veitsdom ist kostenlos – aber nur für den hinteren Teil des Doms. Der vordere Teil mit der Wenzelskappelle und dem Zugang zu den Türmen ist kostenpflichtig.

Das Goldene Gässchen – Franz Kafka lebte hier

Das Goldene Gässchen – tschechisch Zlatá ulička – ist eine der meistfotografierten Gassen Europas und das zu Recht. Winzige bunte Häuschen reihen sich aneinander, jedes in einer anderen Farbe, jedes mit einer eigenen Geschichte.

Ursprünglich wohnten hier die Burgschützen, später Goldschmiede – daher der Name. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert zogen Künstler und Schriftsteller ein. Franz Kafka lebte zeitweise in Haus Nr. 22 – ein winziges blaues Häuschen das heute ein Buchladen ist. Wer die Verbindung zwischen Kafka und Prag verstehen möchte sollte hier anfangen.

Die Häuschen sind originalgetreu eingerichtet und zeigen wie eng und pragmatisch das Leben hinter den Burgmauern war. Im Erdgeschoss kleine Räume, unter dem Dach noch kleinere. Und dennoch: Hier lebten Menschen, liebten, schrieben, träumten.

Tipp: Das Goldene Gässchen ist nur mit Burgeintritt zugänglich.

Der Alte Königspalast – der Vladislavsaal

Im Alten Königspalast befindet sich der Vladislavsaal – ein gotischer Festsaal der so groß ist dass im Mittelalter Turniere zu Pferd darin stattfanden. Die Pferde ritten die Wendeltreppe hinauf – eigens so gebaut dass das möglich war. Diese Information allein rechtfertigt den Besuch.

Heute finden hier die Präsidentenwahlen statt.

Die Sicht über Prag

Sicht über Prag

Vom Burggelände hat man mehrere der besten Aussichtspunkte der Stadt. Der Blick von der Südterrasse über die Dächer der Kleinseite, die Moldau und die Altstadt ist einer jener Momente die man in Prag nie vergisst. Besonders in den frühen Morgenstunden wenn der Nebel noch über dem Fluss liegt.

Vom Petřín-Hügel gegenüber kann man die Burg von außen in ihrer ganzen Größe sehen – das ist der Blick für das Foto.

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Praktische Infos

Burggelände: Kostenlos zugänglich – täglich von 9 bis 17 Uhr.

Tickets für Innenbesichtigungen: Es gibt verschiedene Ticketkombinationen. Das Ticket B umfasst Veitsdom, Alten Königspalast, Goldenes Gässchen und Georgsberg-Basilika – das reicht für die meisten Besucher.

Tickets online buchen: Unbedingt vorab – besonders in der Hauptsaison sind die Warteschlangen lang.

Anfahrt: Tram bis Pohořelec oder Pražský hrad, oder zu Fuß von der Karlsbrücke durch die Kleinseite hinauf – der schönste Weg.

Wachablösung: Täglich 12 Uhr auf dem ersten Burghof – kostenlos.

Fotografieren: Im Burggelände und von außen kostenlos. Im Veitsdom im kostenlosen Bereich erlaubt, in der Wenzelskappelle nicht.

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