Es gibt Städte die man besucht. Und es gibt Städte die einen besuchen – die sich festsetzen, die man nicht loswird, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Prag ist eine davon.
Ich war oft in Prag. Nicht immer mit einem Plan, nicht immer mit einem klaren Ziel. Manchmal einfach so – weil die Stadt nur vier Stunden entfernt liegt und weil ich wusste dass ich dort immer etwas finden würde das mich überrascht. Das Besondere an Prag ist nicht eine einzelne Sehenswürdigkeit. Es ist die Summe aus allem: die Architektur, das Bier, die Geschichte, die Moldau und das Gefühl einer Stadt die alles schon erlebt hat und sich davon nicht beeindrucken lässt.



Eine Stadt die tausend Jahre überlebt hat
Prag wurde im 9. Jahrhundert gegründet und war seitdem eines der wichtigsten Zentren Mitteleuropas – Residenzstadt der böhmischen Könige, Sitz des Heiligen Römischen Reiches unter Karl IV., Schauplatz des Zweiten Prager Fenstersturzes 1618 – der den Dreißigjährigen Krieg auslöste – und Ort von insgesamt drei Fensterstürzen die jeweils eine neue Ära in der europäischen Geschichte einleiteten, Zentrum der Habsburger Monarchie und später der tschechoslowakischen Republik.
Was Prag von anderen europäischen Großstädten unterscheidet: Es hat den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden. Keine Bombenteppiche, keine flächendeckende Zerstörung. Die Altstadt steht heute fast so da wie vor Jahrhunderten – gotisch, barock, Jugendstil, alles auf engem Raum, alles erhalten. Das ist in Europa einmalig.
Hundert Türme – und kein einziger zu viel

Prag heißt die Stadt der hundert Türme – und wer einmal auf dem Petřín-Aussichtsturm oder dem Turm des Altstädter Rathauses gestanden hat versteht warum. Wohin man auch schaut: Türme, Kuppeln, Kirchtürme, Brückentürme. Jeder mit einer eigenen Geschichte, jeder ein eigenes Kapitel der Stadt.
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Persönlicher TIPP
Vom Petřín (das ist der Hügel auf dem der kleine Eifelturm steht) schaust Du direkt in den Garten der Deutschen Botschaft im Lobkowicz-Palais. Dieser Garten ist Teil der Deutsch-Deutschen Geschichte.
Im Garten steht ein laufender Trabant auf vier Beinen. Ein Werk des tschechischen Künstlers David Černý. Ich stehe jedes Mal davor und denke an den September 1989: Tausende DDR-Bürger drängten sich in diesen Garten um in den Westen zu fliehen. Hans-Dietrich Genscher trat auf den Balkon und verkündete mit zitternder Stimme: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ – der Rest ging im Jubel unter. Der Trabant auf vier Beinen ist das Denkmal dieses Moments. Ein Symbol der Flucht, der Sehnsucht und des Endes einer Ära. Wer das weiß schaut anders auf diesen Garten und die Skulptur.
Die bekanntesten Wahrzeichen:
Karlsbrücke – gebaut im 14. Jahrhundert unter Karl IV., geschmückt mit 30 Barockskulpturen, eine der schönsten Brücken Europas. Am frühen Morgen fast menschenleer, am Abend eine lebendige Bühne.
Prager Burg – die größte zusammenhängende Burganlage der Welt. Seit dem 9. Jahrhundert Sitz der böhmischen Könige, heute Amtssitz des tschechischen Präsidenten. Mit dem Veitsdom, dem Goldenen Gässchen und dem Alten Königspalast könnte man hier einen ganzen Tag verbringen.
Altstädter Ring mit Astronomischer Uhr – das Herz der Stadt. Die Uhr schlägt seit 1410 – und zur vollen Stunde zeigt sie noch immer ihre mechanischen Figuren. Einer der meistfotografierten Orte Prags.
Josefstadt – das jüdische Viertel mit sechs Synagogen und dem ältesten jüdischen Friedhof Europas. Eine Geschichte die nachdenklich macht und lange nachhallt.
Vyšehrad – die unterschätzte Festung südlich der Altstadt mit dem schönsten Friedhof der Stadt und einem Blick auf die Moldau den die meisten Touristen nie sehen.
Das Strahov-Stadion – das größte der Welt
Wenige wissen es: Das größte Stadion der Welt steht nicht in Brasilien, Indien oder den USA – es steht in Prag. Das Strahov-Stadion auf dem Petřín-Hügel fasste in seiner Blütezeit bis zu 250.000 Zuschauer. Geplant 1926 und unter anderem genutzt für große kommunistische Turn-Veranstaltungen, spielten dort später Rockgrößen wie Pink Floyd vor 150.000 Besuchern. Heute steht es weitgehend leer – ein stilles Denkmal einer anderen Zeit.

Die John Lennon Wall – Widerstand auf Farbe
Auf der Prager Kleinseite, nicht ganz einfach zu finden, befindet sich die John Lennon Wall – eine Mauer die seit den 1980er Jahren immer wieder neu bemalt wird. Angefangen als stiller Protest gegen das kommunistische Regime, ist sie heute ein buntes Manifest der Freiheit. Nicht ganz einfach zu finden – aber wer sie entdeckt liebt sie sofort.
Prag und das Bier
Tschechien ist das Land mit dem höchsten Bierkonsum pro Kopf der Welt – und Prag ist sein Herz. Das Pilsner Urquell wurde in Böhmen erfunden, das tschechische Zapfen ist eine Kunst für sich und ein frisch gezapftes Bier in einem echten Prager Lokal ist etwas das man einmal erlebt haben muss.
Die drei klassischen Zapfarten beim Pilsner Urquell:
Hladinka – der Standard. Etwa 75% Bier, 25% cremiger Schaum. Das bekommst Du wenn Du einfach „ein Bier“ bestellst.
Šnyt – der Schnitt. Zwei Drittel Schaum, ein Drittel Bier. Leichter, weniger füllend, perfekt zum Essen.
Mlíko – die Milch. Fast ausschließlich cremiger Bierschaum mit einem kleinen Schluck Bier am Boden. Süßlich, samtig, wird in einem Zug getrunken. Einmal probieren – unbedingt.
Prag?
Wenn Du noch nie in Prag warst, dann helfen Dir Plattformen wie bspw. GETYOURGUIDE dabei einen ersten Überblick der Top Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen. Aber schau selbst, ob Dein Wunschziel dabei ist.
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Praktische Infos
Anreise: Mit dem Auto von Berlin etwa 3–4 Stunden. Mit dem Zug direkt bis Praha hlavní nádraží in etwa 4,5 Stunden.
Währung: Tschechische Krone (CZK) – nicht Euro. Karten werden meist akzeptiert, Bargeld für kleine Lokale bereithalten.
Sprache: Tschechisch. In touristischen Bereichen wird gut Englisch gesprochen, Deutsch weniger als früher.
ÖPNV: Die Prager Straßenbahn ist günstig, zuverlässig und selbst ein Erlebnis. Tageskarte empfohlen.
Unterkunft: Wer Prag wirklich erleben möchte – ein Zimmer bei Einheimischen mieten. Die Mietpreise in der Stadt sind für tschechische Verhältnisse sehr hoch und viele Prager vermieten ein Zimmer ihrer Wohnung. Das ist nicht nur günstiger sondern bietet einen Einblick in den echten Prager Alltag.
Mehr über Prag auf perViam
Wer Prag besuchen möchte findet hier alle Details:
Meine persönliche Tagestour durch Prag – mit Route, Geheimtipps und allem was Du wissen musst.
Die Prager Burg im Detail – Geschichte, Veitsdom und Goldenes Gässchen.
