Venedig sollte nicht existieren. Eine Stadt auf Pfählen im Wasser, gebaut auf über hundert kleinen Inseln, verbunden durch 400 Brücken und durchzogen von 150 Kanälen – das klingt nach einem Irrtum der Geschichte. Aber Venedig ist kein Irrtum. Es ist das vielleicht kühnste Bauprojekt der Menschheit.
Wer das erste Mal ankommt – am besten gleich mit dem Vaporetto vom Bahnhof Santa Lucia aus – die Linie 1 nutzen und den Canal Grande entlang fahren, das ist schon das erste Highlight deiner Reise. Das Wasser, das Licht, die vielen Boote, die sich wie an einer Perlenkette durch Venedig drängen. Und überall Menschen, Tauben, Gondolieri und Souvenirläden. Venedig ist ganz anders.



Der Markusplatz – Touristenfalle und Weltwunder
Der Markusplatz ist das Zentrum von Venedig – und ja, er ist voll – immer. Zu jeder Tageszeit, zu jeder Jahreszeit. Aber er ist auch atemberaubend schön und man muss ihn gesehen haben.
Der Markusdom – die Basilika di San Marco – ist das beeindruckendste Gebäude am Platz. Fünf Kuppeln, Mosaiken aus zwölf Jahrhunderten, byzantinische Einflüsse die zeigen wie weit Venedigs Handelimperium einst reichte. Der Eintritt ist kostenlos – aber für das Innere und die Galerie zahlt man getrennt.

Der Campanile – der freistehende Glockenturm daneben – ist 99 Meter hoch und bietet den besten Blick über die Dächer und Kanäle der Stadt. Wichtig: Das ist nicht das Original. Der ursprüngliche Turm kollabierte 1902 ohne Vorwarnung in sich zusammen. Die Venezianer bauten ihn danach originalgetreu wieder auf – com’era, dov’era – wie er war, wo er war.
Tipp: Der Markusturm ist immer mit viel Wartezeit verbunden. Fahre rüber zum Campanile di San Giorgio. Der sieht fast genauso aus, aber man muss nicht anstehen und der Ausblick ist mindestens genauso schön, wenn nicht sogar besser.
San Giorgio Maggiore – der Blick der alles übertrifft
Die meisten Touristen stehen auf dem Markusplatz und schauen auf die Lagune. Die klügeren fahren mit dem Vaporetto zur Insel San Giorgio Maggiore und schauen zurück.
Die Überfahrt dauert fünf Minuten und kostet einen normalen Vaporetto-Fahrschein. Die Kirche San Giorgio Maggiore – ein Entwurf von Andrea Palladio, fertiggestellt 1610 – ist schon für sich sehenswert. Aber der eigentliche Grund für den Besuch ist der Campanile. Mit dem Aufzug fährt man hinauf – und sieht von dort Venedig so wie es aus der Vogelperspektive aussieht: die Kanäle, der Markusplatz, die Kuppeln, die Lagune, im Hintergrund die Alpen.

Das ist der Blick. Nicht vom Markusturm, nicht von der Rialtobrücke – sondern von San Giorgio Maggiore.
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TIPP
Die Anreise mit dem Auto endet unweigerlich in einem Parkhaus. An anderer Stelle habe ich über Kopenhagen geschrieben, dass das ein wirklich teurer Spaß werden kann. Wer hier aber etwas Geduld mitbringt parkt einfach vor der Brücke im Industriegebiet auf bewachten Parkplätzen und fährt mit dem Bus in die Lagunenstadt.
Ansonsten macht ein Tagesticket – 24 Stunden = 25 € – für die Vaporettos (Wasserbus) des Azienda del Consorzio Trasporti Veneziano (ACTV) absolut Sinn, um auch andere Inseln der Lagunenstadt, wie den Lido oder Murano, zu besuchen. Letzterer ist mein Geheimtipp. Den Besuch von Murano – bekannt durch das dort hergestellte Muranoglas – darfst Du Dir nicht entgehen lassen.
Die Rialtobrücke – mehr als ein Foto
Die Rialtobrücke überspannt den Canal Grande an seiner schmalsten Stelle – und war fast 300 Jahre lang die einzige feste Verbindung zwischen den beiden Ufern des Hauptkanals. Gebaut 1591, ersetzt damit eine hölzerne Vorgängerbrücke die mehrfach eingestürzt war.

Heute ist die Brücke gesäumt von Souvenir- und Schmuckläden – weniger romantisch als auf Postkarten. Der schönste Blick auf die Rialtobrücke entsteht nicht von ihr, sondern von einem der Vaporetti die darunter durchfahren. In dem Moment wenn man unter dem Bogen hindurchgleitet und die Brücke sich über einem aufbaut – das ist der Moment.
Venedig?
Wenn Du noch nie in Venedig warst, dann helfen Dir Plattformen wie bspw. GETYOURGUIDE dabei einen ersten Überblick der Top Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen. Aber schau selbst, ob Dein Wunschziel dabei ist.
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Muranoglas – wenn Feuer zu Kunst wird
Die Insel Murano liegt etwa 20 Minuten mit dem Wasserbus von Venedig entfernt und ist seit dem 13. Jahrhundert das Zentrum der venezianischen Glaskunst. Die Glasbläser wurden damals aus Venedig auf die Insel verbannt – nicht als Strafe, sondern weil die Feuergefahr durch die Schmelzöfen zu groß war.

Heute kann man in den Werkstätten auf Murano den Glasbläsern bei der Arbeit zuschauen – kostenlos, täglich. Ein faustgroßer Glaskolben wird in Sekunden zu einer zierlichen Vase oder einem filigranen Pferd. Das ist kein Touristenspektakel – das ist Handwerk das seit 800 Jahren weitergegeben wird.
Tipp: Glas kaufen nur direkt in den Werkstätten auf Murano – mit dem Etikett „Vetro Artistico Murano“. Was in Venedig selbst als Muranoglas verkauft wird kommt oft aus China.
Puppa Bar – das beste Essen in der engsten Gasse
Venedig hat den Ruf teuer und touristisch zu sein – und dieser Ruf ist berechtigt. Auf dem Markusplatz bezahlt man für einen Kaffee mehr als einem lieb ist. Auf der Terrasse nochmal so viel.

Wer wirklich gut essen möchte ohne das Gefühl beraubt zu werden, muss sich verlaufen. Buchstäblich. Die besten Lokale in Venedig findet man nicht auf der Karte – sondern wenn man einfach immer weiter in die engen Gassen läuft bis man nicht mehr weiß wo man ist.
Eines dieser Lokale ist die Puppa Bar in der Salizada del Spezier 4800, im Stadtteil Cannaregio. Eine ehemalige Pasticceria die zum Restaurant geworden ist – winzig, laut, mit Barhockern die halb in der Gasse stehen weil der Raum drinnen zu eng ist. Die Pasta ist frisch, das Tintenfisch-Risotto ist das beste der Stadt und das Tagesmenü kostet 15–18 Euro inklusive Getränk und Espresso.
Kein Schild an der Tür das nach Restaurant aussieht. Keine Speisekarte im Schaufenster. Nur Pasta und ein paar Hocker die auf Dich warten.
Praktische Infos
Anreise: Mit dem Zug bis Venezia Santa Lucia – der Bahnhof liegt direkt am Canal Grande. Wichtig: Viele Züge halten zuerst in Venezia Mestre auf dem Festland – im Zug sitzen bleiben, die Weiterfahrt nach Santa Lucia dauert nur noch zehn Minuten.
Mit dem Auto bis zu den Parkhäusern fahren (du kannst sie bei der Fahrt über die Brücke bereits sehen) – Venedig selbst ist autofrei. ODER meinen Tipp im Infokasten weiter oben lesen.
Vom Bahnhof Santa Lucia geht es per Vaporetto (Wasserbus) weiter. Die Linie 1 fährt langsam und schön den Canal Grande entlang bis zum Markusplatz – das ist gleichzeitig die schönste Bootsfahrt der Stadt.
Vaporetto: Das Wasserbus-System ist günstig und zuverlässig. Tageskarte empfohlen – man fährt ständig.
Beste Reisezeit: Oktober bis März – weniger Touristen, kühleres Wetter, günstigere Hotels. Im Sommer ist Venedig überfüllt.
Acqua alta: Im Herbst und Winter kann das Wasser auf dem Markusplatz bis zu den Knien steigen. Gummistiefel werden dann an jeder Ecke verkauft. Das Phänomen ist beeindruckend – und gleichzeitig ein Zeichen des Klimawandels der Venedig bedroht.
Tipp: Kein Auto, kein Fahrrad, keine E-Scooter. Venedig ist eine Fußgängerstadt. Plant 20.000 Schritte pro Tag ein – und gute Schuhe.
Acqua Alta – wenn Venedig versinkt
Im Herbst und Winter kann das Wasser auf dem Markusplatz bis zu den Knien steigen. Acqua Alta – Hochwasser – ist kein Ausnahmefall, sondern ein regelmäßiges Phänomen das Venedig seit Jahrhunderten begleitet. Ausgelöst durch Südwinde, Gezeiten und den steigenden Meeresspiegel flutet das Wasser die tiefsten Punkte der Stadt – der Markusplatz ist der tiefste von allen.
Was für Touristen ein spektakuläres Foto ist, ist für die Venezianer Alltag. Gummistiefel werden an jeder Ecke verkauft, provisorische Holzstege verbinden die trockenen Punkte der Stadt und das Leben geht einfach weiter.
Das Mose-Projekt – ein System von Schleusentoren am Eingang der Lagune – soll Venedig langfristig vor dem Hochwasser schützen. Es wurde 2020 nach jahrzehntelanger Bauzeit erstmals aktiviert. Ob es reicht angesichts des steigenden Meeresspiegels – das wird die Zeit zeigen.
Wer Venedig im Herbst oder Winter besucht sollte festes Schuhwerk mitbringen das auch nasse Füße verträgt. Und wer Acqua Alta erlebt – einfach stehen bleiben und schauen. Es ist einer jener Momente die man nirgendwo sonst erlebt.
