Prag gehört zu meinen Lieblingsorten. Nicht weil ich dort die üblichen Touristenpfade abgelaufen bin, sondern weil ich bei jedem Besuch neue Winkel entdecke. Meine persönliche Tagestour zeigt dir das Prag das ich liebe – mit einem Einstieg der schon für sich ein Erlebnis ist, mit einem Geheimtipp den fast niemand kennt und mit einem Abschluss der legendär wird.
Die Strecke ist keine 10 Kilometer lang und an einem langen Tag
gut zu schaffen – mit zwei eingebauten und ausgedehnten Pausen die sich lohnen.



Náměstí Míru – Die längste Rolltreppe der Stadt
Der Startpunkt dieser Tour liegt im Prager Stadtteil Vinohrady – fernab der üblichen Touristenströme. Mit der Metrolinie A fährst du bis zur Station Náměstí Míru und erlebst gleich zu Beginn etwas Besonderes: die längste Rolltreppe Prags und der gesamten Europäischen Union. 87 Meter geht es hinauf – langsam, stetig, mit dem Gefühl als würde die Stadt dich sanft nach oben schieben.

Oben angekommen öffnet sich der Náměstí-Míru-Platz mit der neogotischen Kirche der Heiligen Ludmila – ein ruhiger, fast bürgerlicher Ort der nichts von der Touristenkulisse der Altstadt hat. Hier beginnt die Tour.
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TIPP Meine Tagestour durch Prag – die goldene Stadt gehört zu meinen Lieblingsorten. Nicht nur, weil das Bier dort immer schmeckt, sondern auch weil ich in dieser Stadt immer wieder neue Dinge entdecke. Und wenn Du essen und trinken möchtest wie vor dem Fall der Mauer dann darfst Du diesen Ort nicht verpassen: das Dlouhááá
Für Insider: Das größte Sportstadion der Welt steht in Prag und fasste in frühen Jahren bis zu 250.000 Zuschauer. Es wird Dich sicher nicht wundern, wenn Rockgrößen wie bspw. Pink Floyd dort vor 150.000 Besuchern spielten. Unweit davon entfernt auf der Prager Kleinseite befindet sich die „John Lennon Wall“. Nicht ganz einfach zu finden, aber Du wirst den Ort lieben.

Tram 21 nach Výtoň – Vyšehrad
Von Náměstí Míru nimmst du die Tram 21 bis zur Haltestelle Výtoň direkt an der Moldau. Von dort läufst du hinauf zum Vyšehrad – einer Festungsanlage die fast niemand auf dem Radar hat, dabei aber zu den schönsten Orten der Stadt gehört.

Der Vyšehrad ist Prags unterschätztes Juwel. Keine Menschenmassen, keine Selfie-Sticks – nur alte Mauern, ein beeindruckender Friedhof mit den Gräbern tschechischer Nationalhelden wie Antonín Dvořák und Bedřich Smetana, und ein grandioser Blick auf die Moldau und die Stadt. Lass Dir hier etwas Zeit. Die Basilika St. Peter und Paul ist wunderschön, der Friedhof mit seinen kunstvollen Grabmalen einen eigenen Besuch wert.
Tipp: Das Burggelände ist kostenlos zugänglich. Einfach durch eines der alten Tore schlendern und ankommen.
Meine persönliche Tour-Route
Spaziergang an der Moldau – Tanzendes Haus
Vom Vyšehrad läufst du zurück zur Moldau und folgst dem Flussufer Richtung Norden. Dieser Spaziergang entlang der Náplavka ist an sich schon ein Erlebnis – besonders am Wochenende wenn hier ein Bauernmarkt stattfindet und die Prager sich ihr Frühstück holen.

Nach etwa 2,5 Kilometern taucht das Tanzendes Haus auf – das Tančící dům von Frank Gehry und Vlado Milunić, fertiggestellt 1996. Das Gebäude wirkt zwischen den historischen Gründerzeitfassaden wie ein Ausrufezeichen. Zwei Türme die sich umschlingen – einer massiv und gerade, einer geschwungen und weich. Die Architekten nannten es Fred und Ginger, nach dem legendären Tanzpaar Astaire und Rogers. Von außen kostenlos – wer möchte kann in das Dachrestaurant gehen mit Blick über die Moldau.
Historische Tram zur Standseilbahn Petřín
Vom Tanzenden Haus nimmst du die historische Straßenbahn Nummer 42 – eine der ältesten noch fahrenden Tramlinien der Stadt – bis zur Haltestelle Újezd. Das ist kein normaler Stadtverkehr, sondern ein kleines Erlebnis für sich: alte Waggons, langsame Fahrt, Prager Alltag.

An der Haltestelle Újezd steigst du aus und läufst ein paar Meter in den naheglegenen Park zum Bahnhaus der Standseilbahn die auf den Petřín-Hügel fährt. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten und bringt dich hinauf in den größten Park der Stadt.
Aussichtsturm Petřín – Der beste Blick über Prag
Der Petřín-Aussichtsturm ist Prags kleine Schwester des Eiffelturms – gebaut 1891 für die Prager Weltausstellung, aus dem gleichen Baujahr wie das Original in Paris. Von oben hast du den besten Panoramablick der Stadt: die Karlsbrücke direkt unter dir, die Prager Burg auf dem gegenüberliegenden Hügel, die Altstadt mit ihren hundert Türmen, die Moldau die sich durch alles hindurchschlängelt.

Tipp: Tickets für den Turm kostet einen kleinen Betrag – entweder mit Aufzug oder zu Fuß über 299 Stufen. Wer fit ist nimmt die Treppe. Der Turm öffnet täglich ab 9 Uhr.
Deutsche Botschaft Prag – Ein Moment Geschichte
Vom Petřín kann man in den Garten der Deutschen Botschaft im Lobkowicz-Palais schauen. Wer möchte läuft den Hügel hinunter durch das Botschaftsviertel – ein ruhiger Weg durch eine der schönsten Gassen Prags.

Im Garten der Botschaft steht eine der bemerkenswertesten Skulpturen der Stadt: ein laufender Trabant auf vier Beinen (links im Bild zu sehen) – ein Werk des tschechischen Künstlers David Černý. Wer die Geschichte kennt versteht sofort die Ironie: Im September 1989 drängten sich tausende DDR-Bürger in diesen Garten um in den Westen zu fliehen. Hans-Dietrich Genscher trat auf den Balkon und verkündete mit zitternder Stimme: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ – der Rest ging im Jubel unter. Der Trabant auf vier Beinen ist das Denkmal dieses Moments: ein Symbol der Flucht, der Sehnsucht und des Endes einer Ära.
Strahov Monastery Brewery – Pause mit Klosterbier
Vom Botschaftsviertel – falls du den Umweg genommen hast, ansonsten kannst du auch direkt vom Petřín hierher gelangen – geht es über die Úvoz hinauf zur Strahov Klosterbrauerei. Der Weg durch die alten Gassen oberhalb der Kleinseite lohnt sich.

Die Brauerei braut ihr eigenes Bier nach klösterlicher Tradition – das St.-Norbert-Bier ist frisch, vollmundig und die perfekte Belohnung nach dem Vormittag. Geöffnet täglich ab 10 Uhr. Goulash und Zwiebelsuppe passen hervorragend dazu. Hier machst Du die erste große Pause.
Prager Burg und das Goldene Gässchen
Von der Strahov Brewery sind es nur wenige Gehminuten zur Prager Burg – der größten zusammenhängenden Burganlage der Welt. Das Burggelände selbst ist kostenlos zugänglich – wer in den Veitsdom, den Alten Königspalast oder das Goldene Gässchen möchte braucht ein Ticket.

Das Goldene Gässchen ist eine mittelalterliche Gasse innerhalb der Burgmauern mit winzigen bunten Häuschen – einst von Burgwächtern und Handwerkern bewohnt, heute ein Stück lebendige Geschichte. Franz Kafka lebte hier zeitweise in Haus Nr. 22. Die Häuschen sind originalgetreu eingerichtet und zeigen wie eng und pragmatisch das Leben hinter den Burgmauern war.
Mehr über die Prager Burg und den Veitsdom gibt es in unserem ausführlichen Artikel über die Prager Burg (Link weiter unten).
Jüdisches Viertel Josefstadt
Der Weg von der Burg hinunter ins Tal führt durch die Kleinseite und über die Moldau in die Josefstadt – das jüdische Viertel Prags. Es geht von der Burg bergab und damit angenehm leicht nach dem langen Vormittag.

Die Josefstadt ist eines der am besten erhaltenen jüdischen Viertel Europas. Sechs Synagogen, der älteste jüdische Friedhof Europas mit übereinander gestapelten Gräbern aus Platzmangel und eine Geschichte die tief in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingeschrieben ist. Eintritt für das Jüdische Museum kostet etwas – aber auch von außen ist das Viertel eine eigene Welt.
Lokál Dlouhááá – Gefühlt 100 Meter lang
Direkt neben dem Jüdischen Viertel liegt eines der bemerkenswertesten Lokale der Stadt: das Lokál Dlouhááá – ein Bierlokal das sich über eine gefühlt endlose Halle erstreckt. Lang, laut, lebendig. Hier trinkt Prag Bier wie vor dem Fall der Mauer – frisch gezapftes Pilsner Urquell, tschechische Küche, keine Touristenfalle.

Und ohne zu Fragen ein Pilsner Urquell „mlíko“ bestellen. :-) Und die zweite Pause genießen.
Altstädter Ring und Astronomische Uhr
Vom Lokál sind es nur wenige Minuten zu Fuß zum Altstädter Ring – dem Herz der Stadt. Der Platz ist umgeben von gotischen, barocken und Renaissance-Fassaden und zu jeder Tageszeit belebt. Das eigentliche Highlight ist der Turm des Altstädter Rathauses mit der berühmten Astronomischen Uhr die zur vollen Stunde ihre mechanischen Figuren zeigt.

Tipp: Wer auf den Turm steigen möchte hat von oben einen weiteren Blick über die Dächer der Altstadt. Der Eintritt ist günstig – die Aussicht unbezahlbar.
Clementinum – Die schönste Bibliothek Europas
Nur wenige Schritte vom Altstädter Ring entfernt liegt das Clementinum – ein barocker Gebäudekomplex der die schönste Bibliothek Europas beherbergt. Der Barocke Lesesaal mit seinen Fresken, den historischen Globen und dem Geruch nach altem Holz und Papier ist einer jener Orte die man nie vergisst.

Der Besuch führt durch die Bibliothek – man darf nicht eintreten, schaut aber durch die offene Tür auf einen der beeindruckendsten Räume der Welt – und hinauf auf den Astronomischen Turm mit 360-Grad-Blick über Prag und direktem Blick auf die Karlsbrücke.
Wichtig: Tickets unbedingt vorab online buchen – die Zeitslots sind begrenzt und oft schon morgens ausverkauft.
Prag?
Wenn Du noch nie in Prag warst, dann helfen Dir Plattformen wie bspw. GETYOURGUIDE dabei einen ersten Überblick der Top Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen. Aber schau selbst, ob Dein Wunschziel dabei ist.
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Wer im Innenhof des Clementinum gut aufpasst und nach oben schaut, entdeckt einen der verstecktesten Schätze Prags: Hoch oben auf einem Mauervorsprung sitzt ein kleines Mädchen aus Kunststoff – mit einem gefalteten Papierflugzeug in der Hand, kurz vor dem Abwurf. Kein Schild, keine Erklärung – nur wer zufällig nach oben blickt wird sie finden.

Die Skulptur heißt Dívka s vlaštovkou – Mädchen mit Papierflieger – und stammt von der polnischen Bildhauerin Magdalena Popławska. Sie entstand 2005 als Diplomarbeit im Rahmen der Ausstellung „Ad Clementinum“ und gefiel so gut dass das Clementinum sie ankaufte. Eine Schwesterarbeit – Vlastovka II – schuf die Künstlerin 2007 für die Anwaltskanzlei Meritius in Brüssel. Auch dort sitzt ein Mädchen mit
Papierflieger – diesmal mit der rechten Hand. Zwei Figuren, zwei Städte, ein Moment kurz vor dem Abwurf.
Karlsbrücke – Das Herz von Prag
Die Karlsbrücke – gebaut im 14. Jahrhundert, geschmückt mit 30 Barockskulpturen – ist der Ort wo Prag am schönsten ist. Am frühen Morgen gehört sie fast dir allein, am Abend verwandelt sie sich in eine lebendige Bühne mit Straßenmusikern und dem Licht der untergehenden Sonne über der Moldau.

Ob Du die Brücke zuerst begehst oder erst das U Fleků hängt von der Uhrzeit ab. So oder so, du hast es fast geschafft Prag an einem Tag zu erkunden.
U Fleků – Das legendäre Ende
Das U Fleků ist die älteste Brauerei Prags – seit 1499 brauen sie hier ihr dunkles Bier. Das Lokal ist riesig, laut und voller Menschen die alle dasselbe wollen: ein Glas des original Flekovský Tmavý Ležák – dunkel, vollmundig, unfiltriert.

Das ist kein Ort für eine schnelle Runde. Das ist der Abschluss eines langen Tages in einer der schönsten Städte Europas.
Nützliche Informationen
Anreise: Prag ist mit dem Auto in etwa 3–4 Stunden von Berlin erreichbar. Mit dem Zug direkt bis Praha hlavní nádraží – Hauptbahnhof – dauert es etwa 4,5 Stunden.
ÖPNV: Die Prager Straßenbahn ist günstig, zuverlässig und ein Erlebnis für sich. Tageskarte empfohlen.
Sprache: Tschechisch – aber Englisch wird in touristischen Bereichen gut gesprochen. Deutsch weniger als früher.
Währung: Tschechische Krone (CZK). Karten werden meistens akzeptiert – aber Bargeld für kleine Lokale und Märkte bereithalten.
